Die Dänische Friedensakademie

Der Erste Weltkrieg und die deutschen Kriegsgegner

Von Kurt Singer.

Wie enstand der 1. Weltkrieg? Wie wurde er ein Völkerschlachthaus?

Es war ein sonniger Tag am 28. Juni 1914, als der österreichische Kronprinz Erzherzog Franz Ferdinand von Habsburg und seine Frau Sophie die Regierung von Bosnien und Herzogowina besuchten, eine unabhängige Provinz unter österreichischer Verwaltung. Es war dort, daß “Die Schwarze Hand” eine nationalistische Untergrund- und illegale serbische revolutionäre Gruppe beschlossen hatte, den zukünftigen Kaiser und König von Österreich und Ungarn zu ermorden und ein freie serbische Republik auszurufen. Drei Bomben wurden geworfen, aber verfehlten, den Erzherzog zu treffen. Aber einige Stunden später, als das königliche Paar im Auto saß, gelang es dem Attentäter Gavrilo Princip Erzherzog Franz Ferdinand zu erschießen und auch seine Frau Sophie, die zuküntige Kaiserin wurde von drei Schüssen ermordet. Die letzten Worte, die der Erzherzog sprach, waren “Sophie, unsere Kinder, unsere Kinder.”

30 Tage später brach der 1. Weltkrieg aus, als Österreich Serbien den Krieg erklärte, Deutschland folgte und Rußland kam zur Hilfe der Serben, Türkei, Bulgarien, Frankreich , England und später Italien, Japan und die USA erweiterten den Krieg und das riesige Menschenschlachthaus verlangte Millionen Opfer. Ein Krieg, der alle Kriege beendigen sollte. Ein Krieg, der zum ersten Male Flugzeuge sah, die Bomben regneten und wie Rosa Luxemburg sagte: “Städte zerstörte und Dörfer in Friedhöfe umwandelte”, ein Krieg der zum ersten Male Giftgase benutzte. Ein Krieg, der drei Monarchien stürzte: Habsburg, Hohenzollern und Romanov.

Teil 2: Die Kriegsgegner

Die himmelhoch jauchzenden Musiktrompeten begleiteten die marschierenden Truppen mit Gott, Vaterland und Ehren in die Felder. Die Menschen, die gegen den Krieg protestierten, wurden Hochverräter genannt, Staatsfeinde, Deserteure und schnellstens arrestiert. Die Kriegsgegner waren machtlos gegen den mächtigen Kaiser Wilhelm II. Sogar der junge Albert Einstein protestierte und Ernst Friedrich im Alter von 21, dem späteren Gründer des Anti-Krieg-Museums in Berlin.

des AntiKriegsMuseum in Berlin

Aber die lautesten Proteste kamen von zwei linksradikalen Sozialdemokraten, Dr. Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Beide Aktivisten wurden nach dem Kriege ermordet. (Genau wie die modernen Friedenskämpfer John und Robert Kennedy, Martin Luther King Jr., Sadat und Rabin) Das Internet hat ausgezeichnete Kurzbiographien von Karl Liebknecht, deshalb gebe ich nur die wichtigsten Ereignisse in Dr. Karl Liebknechts Leben.

Er wurde am 13. August 1871 in Leipzig geboren. Sein Vater Wilhelm war ein sozialdemokratischer Politiker. Liebknecht studierte Jura und Nationalökonomie an der Universität in Leipzig. Er vollendete seine Militärwehrpflicht als Einjähriger-Freiwilliger. Mit seinem Bruder Theodor errichtete er eine Anwaltskanzlei in Berlin. Er wurde ein Mitglied der SPD, der sozialdemokratischen Partei Deutschlands, und heiratete Julia Paradies. Aus der Ehe entstanden zwei Söhne und eine Tochter. Im November 1901 wurde er in die Berliner Stadtverordnungs-Verwaltung gewählt und amtierte bis 1913. Die sozialistische Jugend-Internationale ernannte ihn als ihren Präsidenten. Er wurde von der Versammlung gewählt und amtierte bis 1913.

Im Jahre 1907 publizierte er sein Buch “Militarismus und Antimilitarismus”. Das Buch wurde sofort beschlagnahmt und Liebknecht als ein Hochverräter zu 18 Monaten Festungshaft verurteilt. Das Buch wurde wieder im Jahre 1918 verlegt und 1926. Heute ist es eine klassische Publikation. Nach seiner Festungshaft wurde er in den preußischen Landtag gewählt. Im Jahr 1912 war er ein SPD-Abgeordneter im Reichstag. In seinem Kampf gegen den Militarismus glaubte er, daß nur ein Generalstreik einen Krieg verhindern könnte. Am 2. Dezember 1914 war er der einzige Abgeordnete im Reichstag, der gegen die Kriegskredite stimmte. Aber die SPD stimmte als Einheit für den Krieg und die Kredite. 14 Sozialdemokraten im Reichstag waren auch gegen die Bewilligung von Kriegskrediten, aber stimmten für den Krieg, um die Parteieinheit zu bewahren. Ein Jahr später wird Liebknecht zum Militärdienst eingezogen. Dadurch mußte er seine Abgeordnetenpflichten im preußischen Landtag und Reichstag aufgeben. Trotzdem organisierte er weitere Opposition zum Krieg und versuchte eine Internationale der Sozialisten zu gründen, die sich spater zum Spartakusbund entwickelte, die auch von Rosa Luxemburg unterstützt wurde. Dann kam ein Dolchstoß, die SPD beschloß, daß Liebknecht zu revolutionäre Positionen eingenommen hatte und wurde von der Reichstagsfraktion ausgeschlossen. Es war schon 1916, als Liebknecht und Rosa Luxemburg die Spartakusbriefe herausgaben, die offen gegen den Krieg protestierten und gegen die Monarchie und Frieden verlangten. Am 1. Mai 1915 organisierte Liebknecht eine Massenkundgebung am Potsdamer Platz im Zentrum von Berlin und wurde sofort verhaftet. Er verlor sein Reichstagsmandat und wurde wegen Hochverrat angeklagt und zu 2 1/2 Jahren Zuchthaus verurteilt. In einen Berufungsverfahren wurde das Urteil zu 4 Jahren und einem Monat erhöht. Man nannte ihn den gefährlichsten Mann im kaiserlichen Deutschland. In der Haft schrieb er ein Buch “Studien über die Bewegungsgesetze der gesellschaftchen Entwicklung”.

Waehrend seiner Haft entwickelten die deutschen Generäle Ludendorff, Moltke und Hindenburg einen macchiavellischen Plan, den Kaiser Wilhelm II. begeistert akzeptierte.

Teil 3: Der Erste Weltkrieg - die Kriegsgegner

Es begann an einem kalten Wintertag in dem Leseraum der Museumsbibliothek in Zürich. Ein älterer Herr suchte einen der Bibliotheksleser und fand Herrn Wladimir Ilyitch Ulyanov, besser bekannt unter dem Pseudonym Lenin. Der Besucher war ein Deutscher in einem Lodenmantel, der aber russisch sprach. Er war ein Abgesandter der deutschen Regierung, der gerne mit Herrn Ulyanov sprechen wollte. Aber nicht in der Bibliothek, sondern in einem kleinen Hotel. Lenin zögerte: Was wollte dieser mysteriöse Mann, wollte er Lenin als Spion oder Spitzel werben? Doch Lenin war neugierig genug zu hören, was der Mann wollte. Vielleicht wußter er mehr über Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg oder über die Zimmerwalder Konferenz der Internationale der Sozialisten, die für Frieden kämpften.

Der Mittelmann für diesen kaiserlichen und teuflischen Plan war ein Dr. Alexander Israel Lasarevitj Helphand. Er war in Rußland geboren und lebte in Odessa, studierte Nationalökonomie in der Schweiz. Er war ein Mitglied der Deutschen Sozialdemokratischen Partei, ein Freund von Leo Trotzki. Während der Russischen Revolution von 1905 wurde er verhaftet und für drei Jahre nach Sibirien geschickt. Von dort entkam er. Helphand arbeitete unter dem Pseudonym Pavus und wurde entlarvt als Waffenschmuggler von Deutschland nach der Türkei.

Er wurde bald ein sehr reicher Mann und siedelte sich in Dänemark an. Er hate ausgezeichnete Beziehungen in Deutschland und importierte deutsche Kohle nach Kopenhagen und die Dänischen Sozialdemokraten verdienten damit viel Geld. Dann, im Jahr 1917, lieferte er deutsche Gelder an Lenin in der Hoffnung, ihn zu kontrollieren. Aber als Lenin Rußland erreichte und die Oktoberrevolution begann, brach Lenin alle Kontakte mit Herrn Pavus.

Das Resultat dieses ungewöhnlichen Treffens ging in ganz andere, beinahe unglaubliche Richtungen. Das war der deutsche Vorschlag. Der deutsche Generalstab und der Kaiser waren bereit, Lenin zu helfen, eine Revolution in Rußland zu organisieren und Frieden mit einer neuen russischen Regierung zu arrangieren. Lenin sollte alle seine Kameraden im Exil sammeln und Deutschland würde einen Eisenbahnzug schicken, um die russischen Bolschewisten nach Russland zu schmuggeln, und Lenin alle Hilfe geben, um den Zaren Nikolaus II. zu stürzen. Deutschland war bereit, 40 Millionen Goldmark zu subventionieren, auch Waffen. Diese Summe würde heute in die Billionen gehen.

Lenin und seine Frau und Inessa Armand saßen in der 2.-Klasse-Abteilung und Kamenev, Sinoviev und Trotzki, der Rest der Kameraden, fanden ihre Plätze in der 3. Klasse mit Holzsitzen. Der versiegelte Zug verließ Bern und fuhr durch Tuttlingen, Karlsruhe, Mannheim, Frankfurt. Der private Zug des Kronprinzen mußte 2 Stunden warten, um Platz für die russischen Revolutionäre zu machen. Der Stop in Berlin dauerte 24 Stunden. Dort wurdem die 40 Millionen Goldmark an Lenin überreicht. Endlich erreichte der Zug die Fähre in Saßnitz, um durch Dänemark nach Schweden zu kommen. Von Stockholm mußten noch 600 Meilen bewältigt werden, bis der Zug an die russisch-finnische Grenze kam.

Zuglinien waren alle überfüllt mit Kriegstransporten, Verwundetenzüge und Truppentransporten. Am 16. April 1917 kam Lenin in St. Petersburg an, wo er zu einer begeisterten Massendemonstration sprach mit seinem Schlagwort: Brot statt Krieg, Frieden - Ende des Krieges. 40 bolschewistische Zeitungen wurden gedruckt und in allen Provinzen verteilt.

Die Macht des russischen Zars wurde geringer und geringer und seine Regierung fiel und wurde von einer sozialdemokratischen Kerenski-Regierung abgelöst. Lenin und seine Kameraden kämpften weiter, um Rußland aus dem Krieg zu nehmen und Frieden zu schließen. Der Schrei nach Brot und Frieden produzierte die kommunistische Revolution im Oktober 1917. Eine Revolution, die von den deutschen Generälen Ludendorff, Moltke und Hindenburg finanziert war. Diese Tatsache wurde nie in den offiziellen Lenin-Biographien mitgeteilt. Am 3. März 1918 begann die Brest-Litowsk-Friedenskonferenz. Leo Trotzki, der Kriegsminister in der Sowjetregierung, unterschrieb den Friedensvertrag mit Deutschland und österreich-Ungarn. Die neue Räterepublik verzichtete auf die drei baltischen Staaten, Estland, Lettland, Litauen, auch auf Teile von Polen und akzeptierte ein unabhängiges Finnland. Brot und Frieden und Kommunismus waren die Sieger in Russland. Denn der Zusammenbruch des deutschen Kaiserreichs kam schon im November 1918. Auch das mörderische Ende der Romanow-Dynastie.

Geschichtsstudenten wissen, daß ein ähnliches deutsch-russisches Abkommen existierte im Jahr 1939, als Stalin und Hitler einen Freundschaftsvertrag unterschrieben, der Polen zerstückeln und zerfleischen sollte. Erzfeinde können auch Bettgenossen werden.

Der Kaiser ging ins Exil, aber die Generäle und Offiziere blieben eine Tatsache, die Adolf Hitler nicht entging.

Teil 4: Der Erste Weltkrieg - die deutschen Kriegsgegner

Karl Liebknecht war hoffnunglos eingekerkert in einer 11-Kubikmeter- Zelle. Rosa Luxemburg war im Gefängnis, auch sie war eine “Hochverräterin”. Professor Ludwig Quidde, ein Friedensnobelpreisträger und Vorstand der Deutschen Friedensgesellschaft, Hans Paasche, ein Marineoffizier, der ein Pazifist wurde. Jede Opposition wurde vom Kaiserreich als Hochverrat bezeichnet und mit schweren Haftstrafen bestraft.

Das deutsche Kaiserreich von 1871 bis 1918 hatte dank Bismarck viele Kolonien erworben, die als deutsche Schutzgebiete die Macht des Landes verstärkten.

Liebknecht hatte nicht nur gegen den Krieg gesprochen, sondern auch für die Freiheit der Kolonialvölker. Das waren Revolten gegen das Mutterland: in Deutsch-Südwest-Afrika, in Deutsch-Ostafrika, in Kamerun und Togo, Deutsch-Neu-Guinea, Samoa, Deutsch-Witu und Pachtgebiet Kiautschou, das noch heute unter dem kommunistischen China das berühmte Tsingtao-Bier exportiert, das von einer deutschen Brauerei produziert wurde. Da waren blutige Kämpfe in den Kolonien und Hermann Goering, der spätere Nazi-Kronprinz, war an diesen Massakern beteiligt.

Liebknecht hatte Familienbesucher, die ihm viele Nachrichten brachten, auch über die Lebensmittelknappheit, und Deutschlands neue Luftwaffe und das Senfgas, das viele tausende Franzosen vergaste. Vor allem auch über den Eintritt der USA in den Krieg, der jetzt vielleicht ein Ende des Krieges bedeuten könnte. Liebknecht schmuggelte seine Spartakusbriefe aus dem Gefängnis und forderte die Soldaten auf, zu desertieren.

Das Archiv der Dänischen Friedensakademie hat offizielle Daten über die Kriegsgefangenen. Tausende davon waren Deserteure, Überlaüfer von den Schlachtfeldern:

420.000 in Frankreich
525,000 in Großbritannien
520.000 in Italien
1.500.000 in Russland
1.700.000 in Deutschland
2.000.000 in österreich-Ungarn

Diese Ziffern enthalten nicht die Kriegsgefangenen in übersee, in den USA, Kanada und Japan.

Die Welt war reif für das Ende und eine Revolution, wie Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg sie geplant hatten. Eine Revolution, die nicht Lenins Diktatur des Proletariats suchte, sondern ein besseres Leben und Frieden für die arbeitenden Massen. So entstand allmählich die USPD, die Unabhängige Sozialdemokratische Partei und schließlich die Kommunistische Partei Deutschlands. Alles war erst möglich nach dem 23. Oktober 1918. Amnestie kam und befreite beide Revolutionäre Liebknecht und Luxemburg.

Sie wurden in Massenkundgebungen umarmt und als Führer der revolutionären Arbeiterbewegung erwählt. Liebknecht proklamierte am 9. November die deutsche Volksrepublik vom Balkon des kaiserlichen Schlosses in Berlin, zwei Stunden nachdem der sozialdemokratische Führer Philipp Scheidemann die Weimarer Republik vom Reichstagsbalkon ausrief.

Friedrich Ebert, ein Sattler, wurde der erste Präsident der deutschen Republik.

Zwei Monate später wurden Liebknecht und Luxemburg in Berlin ermordet.

Teil 5 : Die Ermordung von Karl Liebknecht

Karl Liebknecht

Die deutsche Revolution im November 1918 begann in den Hafenstädten Hamburg und Bremen. Wie ein wildes Feuer entzündeten es die Massen, die endlich ein Ende des mörderischen Krieges wollten. Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg waren jetzt freie Bürger in Berlin, sprachen für den Spartakusbund zu tausenden von Menschen. Beide übernahmen den Berliner Lokal-Anzeiger, eine Tageszeitung, die umgetauft wurde und als 'Rote Fahne' erschien.

Der Spartakusbund wurde auch umgetauft und die KPD, die Kommunistische Partei Deutschlands, gegründet. Es folgte Anfang Januar 1919 eine blutige Niederschlagung der KPD. Die Weihnachtsfeiertage und die Neujahrsfeiern endeten in dutzenden von Toten und verletzten Revolutionären. Am 15. Januar 1919 wurden Liebknecht und Rosa Luxemburg in Berlin verhaftet. Freikorps-Soldaten der Kavallerie-Schützen-Division verschleppten die Leiter der revolutionären Bewegung in das Hauptquartier des Freikorps im Hotel Eden.

Wilhelm Pieck, ein Reichstagsabgeordneter und politischer Leiter der KPD, wurde auch verhaftet und beschreibt die Situation in Helmut Hirschs Biographie von Rosa Luxemburg: "Ich war in der Wohnung von Marcusohn gemeinsam mit Liebknecht und Rosa Luxemburg verhaftet und per Auto nach dem Edenhotel gebracht worden. Beim Betreten des Hotels waren eine Menge Soldaten und Offiziere. Die Offiziere beschimpften Frau Luxemburg ganz flegelhaft. “Röschen, da kommt die alte Hure". Ich erhob dagegen Protest.” Pieck beschreibt weitere Details, die ich in einem späteren Teil über Rosa Luxemburg beschreiben werde. Pieck spricht von einem Hauptmann, der Zigaretten verteilte und sagte “Die Bande darf das Edenhotel nicht lebend verlassen.”

Karl Liebknecht wurde mit 3 Schüssen aus nächster Nähe im Tiergarten erschossen und Rosa Luxemburg wurde erst misshandelt und auch erschossen. Ihre Leiche wurde in den Landwehrkanal geschmissen und erst 4 Monate später Ende Mai 1919 gefunden.

Am 25. Januar wurde ein symbolischer leerer Sarg auf dem Friedhof in Berlin-Friedrichsfelde zu Grabe getragen. Mit ihr wurden Dr. Karl Liebknecht und 31 unbesungene Kämpfer beerdigt. Der Leichenzug endete mit einer Massendemonstration.

Die Presse berichtete, daß Liebknecht auf der Flucht erschossen wurde und Rosa Luxemburg von einer empörten Menge gelyncht wurde.

Die Mordfeier im Eden-Hotel am Abend des 15. Januar 1919
Die Mordfeier im Eden-Hotel am Abend
des 15. Januar 1919.

Wer war der deutsche Offizier, der den Befehl gab zu diesem Doppelmord? Im Januar war er Hauptmann Waldemar Pabst, später Major a.D., der sich rühmte, daß sein Befehl an die Garde-Gallerie der Schützen-Division Deutschland vom Kommuniusmus gerettet hätte.

Papst wurde von Carl von Ossietzky in der Weltbühne in 1932 als ein Mann entlarvt, der den italienischen Faschismus nach Deutschland importierte. Adolf Hitler ernannte ihn in 1938 zu einem hohen ministerialen Wirtschaftsposten und Kanzler Konrad Adenauer dekorierte ihn mit einer Verdienstmedaille.

“Ich bin stolz auf was ich getan habe. Liebknecht und Luxemburg waren Verräter.”

Gerhard Zwerenz, ein bekannter Autor und ehemaliger Bundestagsabgeordneter, schrieb in der Zeitschrift 'Die Kultur' im April 1962, daß Liebknechts und Luxemburgs Ideen bestimmt nicht dieselben waren, die die KPD und Stalin vertraten.

“Die durch den Mord von ihren intellektuellen Führern “befreite” KPD fiel in die Hände von Abenteurern und Bürokraten. Der Weg wurde frei für die Ulbrichts, die keine Erben von Liebknecht und Luxemburg sind, die sich nie… von Lenins Diktatur distanzierten, sondern im Gegenteil an Stalins Morden und Terror teilnahmen.”

Teil 6 berichtet über andere Kriegsgegner. Rosa Luxemburg wird das Endkapitel werden

Remiaque: Arc of Triumph, 1945

Napoleon, der Kaiser versuchte, ganz Europa zu erobern und wie in Rom in Paris einen Triumphbogen baute, so daß seine siegreichen Truppen durchmaschieren konnten. Am Ende des Weltkrieges liess Marschall Foche dieses Monument an dem Champs Elysée in ein Denkmal für den unbekannten und namenlosen Soldaten umbauen. Eine ständige Flamme erleuchtet eine riesige französische Fahne, die Trikolore.

Die meisten kriegsführenden Länder haben ähnliche Denkmäler und Heldenfriedhöfe von der Normandie, der Marne. Aber es gibt auch eine oder zwei Ausnahmen in Städten, wo Monumente für Pazifisten existieren. In Deutschland, England, Italien bis zu Arlington, Virginia, wo auch John F. Kennedy begraben ist. Aber die Welt besitzt keine Monumente und Ehrenmahnmale für die Kriegsgegner, Pazifisten und Antimilitaristen.

Im Ersten Weltkrieg gab es viele namenlose und mutige Menschen, die gegen das Kaiserreich Wilhelms II und Franz Josephs II protestierten. Die Opposition kam von Sozialisten, Kommunisten, katholischen und protestantischen Pastoren, Offizieren und aristokratischen und adligen Familien.

Von vielen tausenden habe ich versucht einige der wichtigsten Persönlichkeiten zu nennen. Victor Adler (1851-1918) war der Mitbegründer der Österreichischen Sozialdemokratischen Partei und der mutigste Abgeordnete im Parlament, der gegen den Krieg stimmte. Er half russischen Flüchtlingen, der Verhaftung als feindlische Ausländer zu entgehen. Er organisierte einen Schmugglerdienst, der auch den bekanntesten Russen in die Schweiz brachte, Wladimir Ulanov alias Lenin.

In 1916 besuchte er den sozialistischen Friedenskongreß in Stockholm, aber Frieden kam erst zwei Jahre später. Sein Sohn Friedrich erschoss den ungarischen Ministerpräsidenten Karl Reichsgraf von Stürgh. Als ein Friedensaktivist wurde er zum Tode verurteilt und später begnadigt und nach der Revolution und dem Zusammenbruch des österreichischen Kaiserreiches amnestiert. Sein Vater Victor starb einige Tage nach dem Ausbruch der Novemberrevolution.

Dr. Helene Stöcker, die große Frauenrechtlerin, starb, bevor der Bund Neues Vaterland eine der wichtigsten Oppositionsgruppen erschien. Die meisten Mitglieder waren bekannte Persönlichkeiten wie Friedrich Wilhelm Foerster, Kurt Eisner, der preussische Oberst Kurt von Tepper-Laski, Otto Lehman-Rußbüldt, Elsbeth Bruch, Albert Einstein, Stefan Zweig, Alfred Hermann Fried, Klara Zetkin, Hans Paasche, Georg Friedrich Nicolai, und Ludwig Quidde. Dieser Bund Neues Vaterland war der Vorläufer der späteren Liga für Menschenrechte, die von Kurt Grossmann geleitet wurde.

Ludwig Quidde (1858-1941) war ein sehr angesehener Historiker und Professor der deutschen Geschichte. Im Jahr 1894 publizierte er eine Biographie über Caligula, eine Studie über imperialen Irrsinn. Das Buch wurde beschlagnahmt. Seine Schilderung von Caligulas Wahnsinn, Terror und erotischer Kriegslust, Korruption warfen die Fragen auf: Sind das nicht Vergleiche mit Kaiser Wilhelms II. Regierung. Alle Vergleiche hinken, sagte Ludwig Quidde, aber er wurde verhaftet. Die Preußische Gesellschaft fühlte sich angegriffen und beleidigt. So wurde Quidde zu 3 Monaten Gefängnis im Münchener Gefängnis Stadelheim veurteilt.

Diese Erlebnisse brachte Quidde in die Friedensbewegung und die Deutsche Friedensgesellschaft. Im Jahr 1901 war er einer der Organisatoren der Internationalen Friedenskonferenz in Glasgow.

Als der Weltkrieg ausbrach, ging Quidde nach dem Haag und versuchte die französischen und englischen Friedensorganisationen mit dem deutschen Kriegsgegner zu vereinigen, und er scheiterte. Nach seiner Rückkehr wurde er arrestiert und als Hochverräter bezeichnet. Als er entlassen wurde, stand er unter ständiger Überwachung, seine Briefe wurden zensuriert und seine Schriften beschlagnahmt, und dieselbe Situation wiederholte sich unter Hitler. Die 21 lokalen Friedensabteilungen der Friedensgesellschaft wurden verboten, aber Quidde entkam in der letzten Minute nach der Schweiz. Dort lebte er in Genf von 1933 bis 1941. Im Jahr 1927 erhielt Professor Ludwig Quidde den Friedensnobelpreis.

Hans Paasche Hans Paasche, ein Kapitänsleutnant und der Sohn des nationalliberalen Reichtagsvizepräsidenten, der auch zur Wandervogel Bewegung gehörte, kam zur Friedensbewegung durch seine Liebe für das schwarze Afrika. Er sah dort die brutale Kolonisierung der preußischen Militärmacht und fand dort zum Pazifismus und seinen persönlichen Kampf gegen das Hohenzollertum und die deutschen Kriege. 1916 wurde er von der Flotte entlassen wegen seinen “gemeingefährlichen Reden”.
Paasche hatte Anti-Kriegs-Pamphlete unter den Matrosen verteilt und wollte einen Generalstreik gegen den Krieg organisieren. Er ging denselben Protestweg, den Liebknecht und die Luxemburg vorgeschlagen hatten. Schließlich wurde Paasche in “Schutzhaft” genommen und in einer Irrenanstalt in einem Charlottenburger Hospital untergebracht. Er wurde im Jahr 1918 von der Revolution befreit und im Jahr 1920 wie Liebknecht und Luxemburg auf seinem Gut vor den Augen seiner Kinder “auf der Flucht” erschossen.
Er war nur einer von den 3.000 deutschen Offizieren, die Pazifisten wurden. Durch die mörderischen Erlebnisse im 1. Weltkrieg, wie der Freiburger Schriftsteller Wolfram Wette in der Frankfurter Rundschau am 9. August 2000 schreibt. Wette schrieb, daß 3.000 von 24.000 deutschen Offizieren eine sehr kleine Minderheit waren. Diese 3.000 waren sehr mutige Menschen, die ihr Leben ändern wollten. Philosophien und Religion und Kriegshorror waren der Anlass, daß Offiziere sich der Kriegsopposition anschlossen. Das war das "Andere Deutschland", das auch unter Hitler existierte.

General von Schoenaich versuchte, den preussischen Berufmilitärs zu erklären, daß die Zeit reif war “aus der alten schwertgläubigen im Preußentum wurzelnden Kaste herauszukommen.” Die Weimarer Republik konnte sich nie richtig verteidigen gegen den alten preussischen Militarismus, und das füehrte zum Untergang der Demokratie.

Die Offiziere, die Auslandserfahrungen hatten und Freunde in anderen Ländern besaßen, waren die ersten Pazifisten. General Berthold von Deimling, der ählich wie Hans Paasche in den afrikanischen Kolonien saß und die brutale Kolonisierung kritisierte, gehörte zu den Kriegsgegern. Die Auslandsreisen von Offizieren haben den Offizieren neue Kulturen nahegebracht, z. B. General von Schoenaich, der jedes Jahr eine Weltreise machte, sprach englisch, französisch, auch etwas russisch und spanisch. Diese Auslandserfahrungen brachten Urdeutsche ins Lager der Friedensopposition. Paasche wurde als Deserteur bezeichnet. “Es war mein Damaskus-Erlebnis” sagte Schoenaich und erkam seiner Verhaftung.

Die mörderischen Kriegserlebnisse und Gewalttaten brachten mehr und mehr Offiziere in das Lager der Kriegsgegner während oder nach dem Kriege. Da waren leitende Offiziere wie Oberst von Sonnenburg, der nach dem Kriege in die Schweiz auswanderte. Dasselbe tat Major Andres, der ein Schweizer Buerger wurde. Da war auch Kapitänleutnant Kraschutzki, der später Redakteur von der Zeitschrift “Das Andere Deutschland” wurde und auch mehrere Hochverratsprozesse hatte und nach Spanien floh, wo er neun Jahre im Gefängnis saß. Der Schriftsteller und Offizier Fritz von Unruh, dessen Schriften später von den Nazis verbrannt wurden, soll nicht vergessen werden. Major Karl Maier wurde ein “Vernunftrepublikaner” und Gandhi-Fan, Pazifist.

Es war einst, daß Carl von Ossietzky, sagte als er den Niedergang der Weimar Republik sah: “Die Deutschen kennen nicht den Stolz der Zivilisten”.

Teil 7 : Rosa Luxemburg

Selbstporträt Rosa Luxemburg

Es war ein warmer Junitag 1984, als eine kleine Gruppe von Ossietzky-Freunden sich im Arbeitszimmer des Leiters der Carl-von-Ossietzky-Universität in Oldenburg versammelt hatten. Der Anlaß war eine Gedenkfeier für den Friedensnobelpreisträger. Kanzler Willy Brandt war der Hauptredner an der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Esterwegen. Aber hier in diesem Zimmer schauten alle Besucher auf ein großes Bild an der Wand. Es war ein Selbstporträt der Rosa Luxemburg. War sie immer noch ein Symbol der deutschen Novemberrevolution 1918? Eine deutsche Version der Jean d’Arc. Eine revolutionäre Sozialistin, die als Heldin der internationalen Arbeiterbewegung starb. Eine Politikerin, die nicht wählen konnte; denn das Wahlrecht kam erst nach der Revolution. Eine Vorkämpferin gegen die Todesstrafe. Eine Frau von polnischer Herkunft, eine Jüdin, die gegen das KKK revoltierte: Kinder, Küche, Kirche.

Über hundert Bücher sind über Rosa Luxemburg geschrieben worden und in vielen Sprachen. Für die Studenten der Dänischen Friedensakademie kann ich nur versuchen, die wichtigsten Daten ihres Lebens und Wirken zu berichten.

1871-1889.
Sie wurde am 5. März 1871 in Zamost in Russisch-Polen geboren. Ihr Vater Eliasz Luxemburg war ein liberaler jüdischer Holzhändler, der in Deutschland aufgewachsen war. Ihre Mutter, Line, geborene Loewenstein, hatte 5 Kinder und Rosa war die Jüngste.

Frau Line glaubte, daß die Bibel und Friedrich Schiller ihr halfen, die Kinder zu erziehen.

Die Familie übersiedelte im Jahr 1880 nach Warschau und Rosa besuchte das 2. Warschauer Mädchengymnasium. Doch Rosa hatte plötzlich große Schwierigkeiten mit ihrer Hüfte und mußte beinahe ein Jahr lang im Bett bleiben. Sie war eine sehr gute Schülerin, aber nach der Abitursprüfung konnte sie nicht die goldene Schulmedaille erhalten; denn ihr “rebellisches Benehmen” war nicht akzeptierbar. Rosa war bereits ein Mitglied der polnischen Untergrundbewegung und hatte schon Flugblätter und Flugblätter verteilt. Sie wollte ein freies Polen ohne russische Kontrolle und auch kein polnisches Königreich. Ein Haftbefehl wurde verordnet und sie entkam mit einem polnischen Paß in der letzten Minute nach Deutschland. Ein katholischer Priester hatte ihr zur Flucht geholfen. Sie sagte ihm, daß sie sich taufen lassen würde, um ihren Freund zu heiraten. Rosa beschloss im Jahr 1890, in die Schweiz zu gehen, um an der Züricher Universität zu studieren.

1890-1897.
Sie matrikulierte an der philosophischen Fakultät, aber nahm auch an Seminare teil: zur Weltgeschichte, Staatswissenschaften und der Wirtschaft und Börsenkrisen. Sie studierte auch die Bücher von Kant, Hegel, Nietzsche, Marx und Engels, Tolstoi und Malthus.

Im Jahr 1893 unterbrach sie ihre Studien und ging illegal zurück nach Polen und half der Gründing der Polnischen Sozialdemokratischen Partei. Von Warschau reiste sie nach Paris und gründete eine internationale sozialistische Zeitschrift “Sache der Arbeiter”. Sie war 22 Jahre alt.

1894.
Rosa Luxemburg organisierte den ersten illegalen Kongress der sozialdemokratischen Arbeiter Partei des Königreichs Polen. Mit ihr war ihr Lebensgefährte Leo Jogiches, der auch an der Züricher Universiät studiert hatte. Sie war auch eine Teilnehmerin am Internationalen Sozialisten Kongress in London vom 27. Juli bis 1. August 1896.

1897
Dr. Rosa Luxemburg erhielt das Doktorat zum Thema: “Die Industrielle Entwicklung Polens.”

1898/1899
Sie schloss eine Scheinehe mit Gustav Lübeck, er war ein deutscher Staatsbürger. Durch diese Heirat konnte sie deutsche Staatsbürgerin werden und in der deutschen Arbeiterbewegung mitwirken. Sie sprach ein ausgezeichnetes Deutsch; denn in ihrem Elternhaus wurde nur deutsch oder polnisch gesprochen. Auch etwas russisch. Das Ehepaar übersiedelte nach Berlin, wo sie Mitglied der SPD, der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, wurde. Im Oktober 1998 hatte die SPD ihren Parteitag in Stuttgart und Rosa Luxemburg wurde die Vertreterin für Oberschlesien und polnische Probleme. Als Mitbegründerin der polnischen Sozialdemokatischen Partei protestierte sie gegen die traditionellen Sitten, daß Frauen den Ehemännern gehorchen mussten, und verlangte Gleichberechtigung und ein Ende der Dominanz der Ehemänner. Sie brachte neue Ideen zur Frauenorganisation der SPD. Sie kämpfte gegen die ökonomische Versklavung der Frauen in der Ehe. Bald waren die Leiter der SPD verärgert über die radikalen Reden der Luxemburg und ihre oratorischen Triumphe als Volksrednerin.

Sie folgte Karl Marx' Theorien als Basis im ökonomischen Klassenkampf. Die Partei, die sie nicht gerne in Berlin sah, wo die Zahl ihrer Anhänger wuchs, ernannte sie plötzlich zur Chefredakteurin der Sächischen Arbeiter-Zeitung in Dresden. Nach zwei Monaten verließ sie die Redaktion und Dresden. Sie ging erst in die Schweiz und dann wieder auf eine Agitationsreise nach Oberschlesien. Sie war oft des Teufels Advokat im Kampf gegen den wachsenden Kapitalismus und die kapitalistischen Kriegen. Sie war eine feurige Gegnerin gegen den russischen Imperialismus, der immer zu Kriegen führte.

1900-1905
Sie hatte gerade ihre Broschüre “Sozialreform oder Revolution” publiziert, als ihr Vater starb. Rosa war in Paris und kehrte sofort nach Berlin zurück. Ihre Mutter starb schon im Jahre 1897. Trotz all ihrer persönlichen Trauer und Familienprobleme beteiligte sie sich an allen Parteitagen in Preussen, Mainz und den internationalen Sozialistenkongress in Paris. Sie attackierte die SPD für deren Reformpolitik und Ablehnung der Revolution. Sie glaubte an die Kraft einer Sozialistischen Internationale, die dann im 1. Weltkrieg zusammenbrach. Marx hatte gesagt: Der Arbeiter hat kein Vaterland und die Geschichte des Sozialismus zeigte, daß die Volksmassen gute Patrioten waren und auch heute noch sind. In allen ihren Reden und Schriften greift sie den deutschen und preussischen Militarismus und Imperialismus an.

Im Jahr 1901 wurde sie in Posen zu 100 Mark Strafe verurteilt für die Beleidigung der öffentlichen Institutionen. Im Oktober starb der Chefredakteur der Leipziger Volkszeitung Bruno Schoenlank und Rosa wurde zum Mitleiter ernannt zusammen mit Franz Mehring. Luxemburg und Mehring vertraten gegensätzliche Ideen: Reform gegen Revolution. Nach einem Jahr verliess Rosa die Zeitung und kam zurück nach Berlin.

Ihre Ehe mit Lübeck wurde im April 1903 geschieden und sie fuhr in die Ostprovinzen, um revolutionäre Sozialdemokraten, Jugendliche und Frauen zu organisieren. Am 16. Januar 1904 wurde sie in Zwickau verhaftet und zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Sie hatte Kaiser Wilhelm II. beleidigt, Majestätsbeleidigung war eine übliche Methode, um die Opposition zum Schweigen zu bringen. Aber niemand konnte Rosa Luxemburgs revolutionäre Reden ändern. Ein Arrest half nur ihrer Popularität. Sie beschrieb ihre Zelle in Zwickau “7 Schritt in der Länge und 4 in der Breite.” Die Revolution begann in Russland im Jahr 1905, auch der Aufstand in Polen und Rosa Luxemburg verläßt Berlin und reist via Alexandrowo, Thorn, Illowo, Mlava nach Warschau. Die Revolution wurde blutig erdrosselt. Rosa entkam der Verhaftung aber nicht für lange.

Rosa Luxemburg

1906-1910
Sie besuchte ihre Geschwister in Warschau so oft wie möglich und die besuchten sie auch im Gefängnis. Rosa war eine eigentlich kleine Frau, immer gut gekleidet, meistens in schwarz oder schwarz­weiß, die Haare waren gut gepflegt. Ihr freundliches Lächeln trotz aller schlechten Nachrichten hat ihr viele gute Freunde und Bewunderer gebracht. Als sie die Nachrichten von der blutigen Niederlage der russischen Revolution erhielt, brach sie in Tränen aus. Sie sagte “Das russische Proletariat hatte versucht, den Zarismus in den Scheiterhaufen zu werfen und das Banner der Zivilisation zu errichten und nicht nur in Russland.“ Am 4. März 1906 wurde sie verhaftet im Warschauer Rathaus und ins Pawlak-Gefängnis gebracht. Im April wurde Rosa dann in den Pavillion X der Warschauer Festung überführt. Die Gefängniswärterinnen waren sehr freundlich zu ihr und bewunderten eine Frau, die es wagte, gegen die Russen zu protestieren und für die Klasse der armen Bevölkerung zu kämpfen. Sie halfen ihr, Bücher von Tacitus bis Zola in der Zelle zu lesen und auch Briefe zu schreiben und zu erhalten. Auch einen Baum und Büsche zu pflanzen. Im August 1906 wurde sie dann gegen Kaution entlassen. Kuokkala in Finnland war für sie ein Treffpunkt mit Parteigenossen von Russland, die sie nach St. Petersburg begleiteten. Im September spricht sie auf dem Mannheimer Parteitag gegen die Propheten der Hoffnung Bernstein und Kautski, die schöne Worte sprechen, aber keine revolutionären Taten und wenig Fortschritte erreichten.

Im November gründete die SPD eine Parteischule in Berlin. Rosa hoffte dort, junge Rekruten zu finden, die ihre revolutionäre Opposition stärken würde. Im Dezember ist Rosa wieder im Gefängnis. Sie wurde zu 2 Monaten Haft verurteilt wegen Provokation verschiedener Klassen zu Gewalttätigkeiten in einer friedenstörenden Weise. Auch hier in Weimar waren die Gefängniswärterinnen hilfreich. Sie konnten nicht verstehen, warum Dr. Rosa Luxemburg nicht an einer Universität lehrte und lieber auf öffentlichen Plätzen gegen das Kaiserreich revoltierte. Aber Rosa malte, zeichnete und las in ihrer Zelle und beschloss, die neue Parteischule als Springbrett zu benutzen, eine revolitionäre sozialistische Internationale zu schaffen. Generalstreik soll die neue Waffe werden.

In ihren Reden wiederholte sie immer wieder, daß der Kapitalismus die Männer, die mit ihren Händen arbeiten, täglich ausnütze. Sie arbeiten oft 64 und sogar 80 Stunden die Woche, es gibt Kinderarbeit, keine Pensionierung und keinen bezahlten Urlaub.

Kapitalismus wird zu neuen Kriegen führen und Deutschland und Russland spenden Millionen für die Aufrüstung. Kanonen statt Butter. Sie wurde gewarnt, dass die nächsten Haftstrafen nicht Monate, sondern Jahre würden.

1911-1913
In ihrem Privatleben war Leo Jogiches ein wunderbarer Lebensgefährte. Die Scheinehe endete in einer Scheidung. Jogiches war auch ein Sozialist, der an den Massenstreik glaubte, und wollte Rosa helfen, eine Sozialistische Internationale zu gründen. Clara Zetkin schrieb über Leo “Er war ein Mann, der wußte, dass diese Kameradschaft ihm eine seltene Gelegenheit gab, ihr Wachsen und ihre Entwicklung zu helfen und seine eigene Persönlichkeit zu begrenzen.” Leo gab 15 Jahre seines Lebens, um Rosa Luxemburg zu betreuen. Er starb mit einer Vorahnung, dass diese Revolutionärin, die Frau seines Lebens und Liebe, nicht im Bett sterben wird. Sie sprach an allen Parteitagen und wollte Taten sehen und nicht nur schöne Worte. Generalstreik “gegen die verheerenden Steigerungen der Lebenshaltungskosten”. Sie nimmt Teil an allen Sitzungen der internationalen sozialistischen Sitzungen. Im September 1913 trifft sie am Parteitag in Jena Paul Levi, der bald ihr Liebhaber und später Rechtsanwalt wird.

1913 schrieb sie ein Buch “Die Akkumulation des Kapitals” und mehrere Artikel gegen den deutschen Militarismus. Wieder wie Kassandra, die von Apollo berufen wurde, um in die Zukunft zu sehen, hatte Rosa die Vision eines kommenden Krieges. Ähnlich wie der Senator Cato im alten Rom sich wiederholte und wiederholte und wiederholte, dass Karthago zerstört werden müsse, verlangte Rosa Luxemburg die Zerstörung des imperialistischen Kaiserreiches der Hohenzollern. Ihre Vision sah eine sozialistische und demokratische Arbeiter- und Bauern-Republik, die Frieden nach Europa bringen würde. Kein Wunder, daß der Polizeipräsident in Berlin einen Geheimbrief an die Münchener Polizeidirektion schrieb, daß diese Frau Dr. Rosa Luxemburg … “…in fanatischer Weise zur Propaganda der Tat aufhetzt.”

Ihr Arrest war nur eine Frage der Zeit.

Rosa Luxemburg im 1. Weltkrieg

1914
Die Politische Polizei-Abteilung ordnete die Überwachung der aktivsten Revolutionäre in Berlin, München, Freiburg, Breslau an, auch schickte sie eine Warnung an die Warschauer Polizei. Auf ihrer roten Liste standen Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Clara Zetkin, Paul Froelich, Wilhelm Pieck und mehr. Helmut Hirsch schreibt in seiner ausgezeichneten Biographie von Rosa Luxemburg, dass sie sich beschützen wollte und viele Artikel unter einem Pseudonym schrieb, d.h. unter 23 verschiedenen Namen wie: ego, Gracchus Hicrodus, Josef Chmura, Junius, Juvenus, K., M.R., Maciej Rozka, Mortimer, r., Rz., R.K., Kruszyriska, r.l.R.L. rl., X., Spartakus, C., Xplus,TE und T. Am 20. Februar versuchten die Gerichte in Frankfurt, Rosa Luxemburg mundtot zu machern. Ihr Aufruf zur Kriegsdienstverweigerung war eine “Aufforderung zum Ungehorsam gegen Gesetze und gegen Anordnungen der Obrigkeit.” Sie wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Sie verlangte eine Gerichtsberufung. Um Zeit zu gewinnen, flieht sie ins Hospital. Aber am 7. März spricht sie in Freiburg und warnt vor einem Krieg und ruft auf zur möglichen Desertierung von der Armee. Trotz ihres Gerichtsurteils sprach sie wieder von der Kriegsdienstverweigerung. Kurz vor Kriegsausbruch entkam sie von Freiburg nach Belgien und sprach dort am Internationalen Sozialistenkongress in Brüssel für eine notwendige internationale Solidariät gegen den Krieg.

Dann sind die Würfel gefallen, der große Weltbrand begann und Rosas Revisionsantrag wurde vom Gericht abgelehnt. Vom Dezember bis Januar 1915 ist sie im Auguste-Viktoria Krankenhaus.

Die größte Enttäueschung ihres Lebens waren die impotenten Haltungen der sozialdemokratischen Parteien in Deutschland, Frankreich und England, die alle mit Gott und Vaterland für den Weltkrieg stimmten. Ihre internationalen Genossen hatten das sozialistische Ideal vergessen und verraten. Das war das Ende der Internationale. Karl Liebknecht war die Ausnahme. Nach dem Krankenhaus wartete das Frauengefängnis in Berlin, Barnimstraße auf die “Rote Rosa.”

25 Jahre später landeten mutige deutsche Frauen in den selben Zellen als Widerstandskämpfer gegen die Nazis im 2. Weltkrieg.

1915-1918
Die Zeitungen berichteten die täglichen Siege der deutschen Armee. Aber Rosa Luxemburg prophezeite den Zusammenbruch von Deutschland, Österreich und der Türkei. Sie sprach von der Massenhysterie, die Kaiser Wilhelm in seiner schönen Uniform mit den vielen Medaillen und den befederten Helm als Heldenkönig bewunderten. Aber Rosas Logik hat nie vor Gericht geholfen. Ihr Buch "Friedensutopie", das 1911 erschien, war deutlich gegen Gewalt und Bewaffnung, für Frieden. Aber da waren nationalistische Stimmen, die sie die “blutige Rosa” nannten. Nach ihrer Magenkrankheit trat sie ihre Haft an in dem Berliner Frauengefängnis,

Aber das war nicht genug Bestrafung für die empörten Kriegstrompeter. Im Juli 1915 wurde ein neues Strafverfahren gegen sie eingeleitet. Der Erste Staatsanwalt in Düsseldorf klagte sie an wegen Hochverrat und Landesverrat.

Die gefährliche Kriegsgegnerin hatte ihr Schicksal hinter Gittern gefunden. Sie war in verschiedenen Gefängnissen vom 10. Juli 1916 bis zum 9. November 1918 in Haft. Sie wurde vom Frauengefängnis in Berlin entlassen und in “Sicherheits­verwahrung” gebracht, zuerst in die Festung Wronke in der Provinz Posen und dann in Breslau.

Ihr nervöses Magenleiden fand geringe Beachtung. Aber niemand konnte ihren revolutionären Geist vernichten.

Sie publizierte ihr bekanntestes Werk “Der Krieg und die Arbeiter” die Junius-Broschüre.

Ihr Pseudonym Junius stammte von dem alten römischen Helden Senator Lucius Junius Brutus. War sie der Brutus für die sozialdemokratische Partei und die Gruünderin des Spartakusbundes, der Unabhängigen SPD und schliesslich der KPD, die Kommunistische Partei? Junius Ruf war für ein Ende des kapitalistischen Krieges, ein Ruf zur Revolution.

Trotz der Verschlimmerung ihres Magenleidens schrieb sie immer noch Briefe an Sophie Liebknecht und Paul Froelich und vor allem an ihren Arzt Dr.med Hans Diefenbach. Beide versuchten eine Haftentlassung aus medizinischen Gründen zu bekommen. Dr. Diefenbach wurde angeklagt wegen Beihilfe zur revolutionären Luxemburg-Organisation. Später fiel er in den Feldern von Frankreich. Später wurde auch die Haftentlassung abgelehnt.

Am 9. November 1918 wurde sie mit Zoegern der neuen Friedrich Ebert sozialdemokratischen Regierung aus der Haft entlassen.

Sie sprach sofort am Breslauer Domplatz zu einer riesigen Versammlung. Die Revolution hatte gewonnen, aber nicht die Revolution, die Liebknecht und Luxemburg erhofft hatten. Der Spartakusbund und die USPD wollten radikale änderungen, aber auch keine bolschewistische Parteidiktatur. Sie nannte Lenin “einen eigensinnigen Schädel”. Sie wollte keine Diktatur des Proletariats und kein bürokratisches Zentralkommittee, das ein Land regieren will. Saß sie zwischen allen Stühlen? Kein Bolschewismus und keine Reform Sozialdemokratie.

Sie besaß immer noch hohe passionierte Hoffnungen für die Zukunft der deutschen Republik.

Der Krieg, der alle Kriege beenden sollte, hatte die Großmaechte Europas und die USA zum Waffenstillstand am 11.November 1918 gebracht. Rosa Luxemburg, die in ihrem Junius-Pamphlet vor gigantischen Opfern warnte, sah wie unschuldige Menschen als Kanonenfutter geopfert wurden. Als sie am 9. November das Tageslicht der Freiheit genoss, ahnte sie nicht, daß sie 37 Tage später von heimt ückischen Monarchisten ermordet wuerde. Auch hat sie niemals erfahren, wie viele Millionen Tote dieser Weltkrieg produziert hatte.

Hier folgt die Liste der Kriegstoten von 1914 bis 1918, wie von der BBCveröffentlicht wurde.

Deutschland 1.800.000
Österreich-Ungarn 1.270.000
Türkei 325.000
Frankreich 1.400.000
Russland 1.700.000
Großbritannien 902.000
USA 116.000
Belgien 44.000
Montenegro 3.000
Serbien 45.000
Rumänien 335.000
Bulgarien 90.000
Griechenland 5.000
Italien 615.000
Portugal 7.000
Japan 300

Alle Statistiken hinken. Oft enthalten sie nicht alle Daten.

Zum Beispiel die obigen Ziffern nennen nicht die Zivilisten auf beiden kriegsführenden Seiten. Da gab es auch Tote in neutralen Ländern, wie die Seeleute auf Frachtschiffen, die versenkt oder sabotiert wurden. Wir wissen auch von den Kriegen in Vietnam und dem Persischen Golf, dass Kriegsveteranen starben noch Jahre später: als Opfer von Gas und anderen tödlichen Kriegswaffen.

Der Waffenstillstand fand ein demoralisiertes Deutschland mit fehlenden Nahrungsmitteln und Trauerfeiern für die Toten. Reif für die Revolution. Da waren blutige Straßenkämpfe. Rosa Luxemburg befuerchtete eine Wiederverhaftung und wechselte ihr Quartier beinahe täglich.

Am 15. Januar wurde sie dann verhaftet in der Wohnung von Markussohn, zusammen mit Karl Liebknecht. Wilhelm Pieck schildert, wie sie im Hotel Eden in Berlin beschimpft und verhöhnt wurde, auch geschlagen, 2 Schläge von einem Karabinergewehr und dann die Treppe heruntergeschmissen wurde. Man nannte sie eine Judensau, Polackin, Hure und schließlich wurde sie in den Kopf geschossen und endete als Leiche im Landwehrkanal. 4 Monate später wurde sie an der Schleuse gefunden und für drei Mark der Familie übergeben. In einem ihrer Gefängnisbriefe schrieb sie: “Ich hoffe auf meinen Posten zu sterben oder im Gefängnis.” Die deutsche kassandra hat ihre letzte Warnung gegeben.

Zur Beerdigung am Friedhof Friedrichsfelde kamen tausende Menschen und Eintrittskarten wurden verkauft.

Viele Reden von vielen Genossen nahmen Abschied von der Heldin, die half, die deutsche Geschichte zu ändern. 20 Jahre später begann der 2. Weltkrieg.

Literatur

Froelich, P.: Rosa Luxemburg. Kinner, Berlin 1990.
Harden, W.: Krieg und Friede. Bd II. Berlin 1918.
Hirsch, Helmut: Rosa Luxemburg. Rowohlt. Berlin 2000, 20. Auflage.
Kautsky, L.: Erinnerungen. Den Haag 1960.
Liebknecht, Karl: Militarismus u. Antimilitarismus. - http://www.marxists.org/deutsch/archiv/liebknechtk/1907/mil-antimil/
Remarque, Erich Maria: Im Westen nichts Neues.
Trotzky, L.: Mein Leben. Berlin 1930.
Zetkin, C.: Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Berlin 1919.

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